Ökologische Milchviehhaltung
Die Milchviehhaltung ist die im okologischen Landbau mit Abstand bedeutendste Form der Tierhaltung. Wiederkäuer sind hier von besonderer Bedeutung. Sie können die systembedingt notwendigen, humusmehrenden Futterbaukulturen mit Leguminosen für die Erzeugung hochwertiger tierischer Eiweiße nutzen. Ein ausgewogenes Verhältnis von Rinderhaltung und Pflanzenbau wird deswegen angestrebt.
Auf Gut Kerschlach gibt es insgesamt rund 300 Rinder, davon eine ökologische Milchviehhaltung mit den Rassen Fleck- und Braunvieh mit 95 Milchkühen. Auch eine Mutterkuhherde der Murnau-Werdenfelser Kühe - eine vom Aussterben bedrohte Rasse - wird hier gehalten.
Für Milchkühe sind nach Naturland-Richtlinien mindestens sechs Quadratmeter Stallfläche pro Kuh vorgeschrieben. Der Kerschlacher Boxenlaufstall wurde nach neuesten Erkenntnissen für tiergerechte Halung gebaut und ist für 100 Kühe ausgelegt und mit Laufmatten ausgestattet. Die Boxenabtrennungen sind aus Holz und beweglich befestigt, damit sie die Tiere beim Ablegen bzw. Aufstehen nicht behindern. Die Kühe sind behornt - was auch im ökologischen Landbau nicht üblich, aber gewünscht ist. Dies erfordert wiederum mehr Platz ohne Nischen und Sackgassen. Die Tiere können sich im Stall frei bewegen und zum Ruhen frei zugängliche Liegeboxen aufsuchen.
Die Weidehaltung während der Vegetationsperiode ist ein angestrebtes Ziel in der ökologischen Tierhaltung - auch auf Gut Kerschlach. 80 Hektar sind Weiden und stehen allein den Rindern zur Verfügung. 70 Hektar der Flächen sind Wiesen, hier wird die für die Winterfütterung nötige Silage und das Heu gewonnen. Der Futterbau erfolgt autark, nur ein Teil des Getreides wird zugekauft und zwar in dem Verhältnis, wie erzeugte Produkte wie Milch und Fleisch verkauft werden. In einem konventionellen Mastbetrieb dagegen muß das Kraftfutter aufwändig importiert werden und der Anbau und Transport der Futtermittel und der nicht bodengebundenen Ausscheidungen der Tiere belasten Luft und Böden.
Die Flächenbewirtschaftung auf Gut Kerschlach erfolgt ohne Pestizideinsatz und ohne Kunstdünger.
Eine abwechslungsreiche und ausgewogene Fütterung soll die Gesundheit der Tiere garantieren. Bei Milchkühen bestehen daher mindestens 60% der Trockenmasse der Tagesration aus frischem, getrocknetem oder siliertem Raufutter. Es wird Gras, Grassilage, Heu und eine Getreidemischung verfüttert. Die Getreidemischung besteht aus regionalen Futterpflanzen wie z.B. Wintergerste, Triticale und Hafer.
Unsere Kälber werden in einem Kälberdorf mit Vollmilch aufgezogen, die sie nach eigenem Bedarf am Tränkeautomaten abrufen.
Im ökologischen Landbau ist es das Ziel, Tiere gesund zu erhalten, statt Krankheiten zu kurieren. Hierbei sollen tiergerechte Lebensbedingungen, angemessene Leistungsansprüche, eine geeignete genetische Disposition sowie Fitness den Tieren helfen. Die prophylaktische bzw. routinemäßige Gabe von Tierarzneimitteln (soweit nicht behördlich vorgeschrieben), hormonelle Behandlungen, synthetische Futterzusatzstoffe oder Masthilfsmittel sind verboten. Impfungen sind erlaubt. Auch Entwurmungsmittel können eingesetzt werden, soweit Untersuchungen von Kotproben eine Behandlung als erforderlich erscheinen lassen.
Falls ein Tier trotzdem krank wird, sind zunächst Naturheilverfahren (Homöopathie, Phytotherapie etc.) einzusetzen. Wenn diese nicht die veterinärmedizinisch gewünschte Wirkung zeigen, können auch im ökologischen Landbau andere Tierarzneimittel eingesetzt werden, wenn sie vom Tierarzt verschrieben werden. Ihre Anwendung ist jedoch strikten Regelungen unterworfen und muss genauestens dokumentiert werden. Sämtliche Daten zur Tiergesundheit sowie der Gabe von Medikamenten sind in einem Stallbuch zu vermerken und bei der Betriebskontrolle vorzulegen. Wird ein Tier mehr als dreimal pro Jahr mit chemisch-synthetisch hergestellten allopathischen Tierarzneimitteln behandelt, dürfen die Produkte nicht mehr als ökologisch vermarktet werden.
Der Melkstand ist ein sogenannter Doppel-4er-Tandem-Melkstand mit modernster Melktechnik und einem komfortablen Melkhaus.
- Die Kühe werden zweimal täglich gemolken
- Ein Melkvorgang dauert etwa 1½ Stunden
- Pro Kuh und Tag werden ca. 20 Liter Milch gemolken
Die Milch wird an die Andechser Molkerei Scheitz geliefert.




